Gelzhšuser

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Am 25.05.2004. wurde von der Namenberatung der Universitšt Leipzig eine Auskunft über den Namen Gelzhäuser erstellt.


Sehr geehrter Herr Gelzhäuser,

ich bestätige den Eingang Ihrer Anfrage zu Herkunft und Bedeutung des Familiennamens Gelzhäuser und kann Ihnen folgendes dazu mitteilen.

Der Familienname Gelzhäuser lässt sich unter 40 Millionen Telefonteilnehmern Deutschlands mindestens 271mal neben der Form Gelzhauser (etwa einmal in Oberbayern) nachweisen. Der Name ist recht selten, wenn man davon ausgeht, dass die normale Verbreitung eines Familiennamens zwischen 400 und 500mal liegt. Die Karte verdeutlicht, dass sich die Namensträger besonders in Hessen, Thüringen und Bayern sowie Nordrhein-Westfalen konzentrieren.


Verteilung Gelzhäuser (Quelle: DT Info & Route)

Es handelt sich bei dem Familiennamen Gelzhäuser um einen Namen, der sich am ehesten als Namen nach dem ursprünglichen Wohn(be)sitz für ‚den am, auf dem Gelzhaus, -hof Wohnenden’ erklärt werden kann. Diese Gruppe von Namen entstand durch Benennungen von Personen – hier besonders Einheimischen – nach ihrem ursprünglichen Wohnort. Örtlichkeiten wurden vielfach nach Oberflächenerscheinungen der Landschaft (Ebner für 'den in der Ebene Wohnenden'), markantem Pflanzen- oder Tiervorkommen (Eichler für 'den an, beim Eichenwald Wohnenden' bzw. für 'den an, bei einer auffälligen Eiche Wohnenden') benannt. Sie sind allerdings aus heutiger Sicht kaum mehr zu lokalisieren, da es sich bei dieser Gruppe von Namen um häufig mündlich tradierte Formen handelt. Oft jedoch wurden Örtlichkeitsnamen zu heutigen Ortsnamen fest, z.B. Neuhaus für 'den im neuen Haus Wohnenden' und 'den aus Neuhaus Stammenden'.

Wohnstättennamen wurden zuerst beim Adel zu Familiennamen fest, die dabei den Stamm(be)sitz repräsentierten. Dann haben sie sich zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert vor allem auf dem Land, besonders in Gebieten mit Einzelhofsiedlung wie in Westfalen und in den Alpen entwickelt.

Noch im 12. Jahrhundert trugen die Menschen oftmals nur einen Rufnamen, neben den ein Beiname treten konnte. Vor allem in Orten mit größerer Konzentration von Menschen, die häufig den gleichen Rufnamen trugen, musste ein weiterer Name zur Unterscheidung und Identifikation neben den eigentlichen Rufnamen gestellt werden. Der Name wurde meist vom Vater an die Nachkommen weitergegeben. Der entstandene Beiname erlangte zunehmend eigenständigen Charakter und festigte sich seit dem 12. Jahrhundert, zunächst in den Städten des südwestlichen Deutschlands, zum heutigen Familiennamen.

Diese Entwicklung wurde vor allem durch rechtliche Neuerungen wie dem Erbrecht und wirtschaftlichen Aufschwung beeinflusst. Aber auch die angrenzenden romanischen Länder – Italien und Frankreich – hatten einen nicht unwesentlichen Einfluss, da dort die Familiennamen festigende Zeit schon früher begann. In den an Deutschland nach Osten hin angrenzenden Ländern, z.B. Polen, begann die Herausbildung von Familiennamen etwa zur gleichen Zeit wie in Deutschland und fand ihren Abschluss in den ländlichen Gegenden etwa im 15. Jahrhundert.

Viele Namen slawischen Ursprungs gehen hierbei auf die Vermischung deutscher Siedler mit slawischen Völkern östlich der Elbe und Saale, in Teilen Frankens, Bayerns und Österreichs und natürlich auf die Einwanderungen aus osteuropäischen Gebieten zurück. Nach Westen sind slawische Familiennamen vor allem durch den Zuzug zehntausender Bergarbeiter, die seit dem 19. Jahrhundert in das Ruhrgebiet kamen und dann nach 1945 durch die Flüchtlinge (etwa 12 Millionen) gelangt.

Als Name nach der Wohnstätte lässt sich Ihr Familienname auf einen Örtlichkeits- bzw. Hofnamen Gelzhaus zurückführen, der jedoch nicht mit den ältesten Orts- und Örtlichkeitsnamenverzeichnissen lokalisiert werden konnten. Für den zweigliedrigen Namen ist jedoch von dem Grundwort -haus auszugehen. Dabei handelt es sich beim Grundwort -haus um eine Lexem, das auf althochdeutsch hûs in der Bedeutung 'Gebäude, Familie, Hauswesen' und mittelhochdeutsch hûs in der Bedeutung 'Gebäude, Wohnung, Hütte, Schloss, Rathaus, Haushaltung, Familie, Geschlecht' zurückgeht. Schon bis zum Jahre 1100 sind mindestens 1.000 Ortsnamen in Deutschland belegt, die dieses Wort enthalten. Durch die auslautende Endung -en wird der Dativ (Lokativ) in der Bedeutung 'zu, bei den Häusern' wiedergegeben.

Im westfälisch-niedersächsischen Raum lässt sich seit dem 15. Jahrhundert beobachten, dass bei Erwerb des Hofes oft der eigentliche Familienname abgelegt und der Name des Hofes als neuer Familienname geführt wurde. Hofnamen wiederum konnten aus Geländebezeichnungen (Wald-, Mooshof) und aus Personennamen gewonnen werden. So siedelte eine Bauer aus Mittenwald namens Brenner um 1280 auf einem Hof am Pass nach Südtirol, der nach ihm Brennerhof genannt wurde und dem Pass den Namen gab. Auch von Hofnamen konnten wiederum Familiennamen entstehen, vgl. Brennerhof(bau)er. Ebenso lässt sich beobachten, dass der Hofname auf die dort lebenden und arbeitenden Menschen übergehen konnte.

Im Bestimmungswort Gelz- kann zunächst ein alter Personenname vermutet werden. Dieser lässt sich mit sächsisch gelda ‚Bezahlung, Vergeltung, Opferfest, Opfergabe’, geldan ‚entgelten, opfern’, gotisch gild ‚Steuer, Zins’, angelsächsisch gield ‚Bezahlung, Steuer, Opfer, Götzenbild’ verbinden. Und zwar geht der Name Gelz dann auf eine alte Kurzform Gill, Gell, neben Gildo, Geldo zurück. Aber auch eine Kurzform zu althochdeutsch gîsal, kîsal, mittelhochdeutsch gîsel ‚Geisel (Kriegsgefangener)’ kann nicht ausgeschlossen werden. Man nahm in alter Zeit nur Kinder vornehmer Eltern als Geiseln, wodurch das Wort auch die Bedeutung ‚Kind edler Abkunft’ annahm. Das -z im Namen Gelz kann dabei als altes germanische Suffix mit kosender und verkleinernder Funktion erklärt werden, aber ebenso eine graphische Variante für den starken Genitiv -s sein und somit einerseits kosend den ‚kleinen Gelz’ oder patronymisch den ‚Sohn eines Gel(l)’ benannt haben.

Der Name Gelz kann dann auch mit den Namenformen Galz und Gelz, Galzer und Gelzer zu althochdeutsch gelza, gelze, mittelhochdeutsch gelce ‚junge verschnittene Sau’ verbunden werden, womit der Vorfahre den Beruf des ‚Tierverschneiders’ innehatte.

Interessant ist sodann eine mögliche Ableitung zu dem Familiennamen Gelthaus(er), der auf einen Örtlichkeitsnamen in der Bedeutung ‚wo die Gelten, Renten (die Gelder) usw. bezahlt’ werden zurückgeht, vgl. 1365 Hennchen zum Gelthus, Bürger zu Mainz; 1434 Ort Gelthuß zu Oppenheim, Vetter Gutenbergs.

Dabei könnte Ihre Namensform mit /z/ eine durch Lautverschiebung gebildete Namensform sein. Vor allem in niederdeutschen Dialekten findet sich die althochdeutsche Lautverschiebung nur teilweise, während sie im oberdeutschen Raum vollständig vollzogen wurde, vgl. niederdeutsch Water, hochdeutsch Wasser, niederdeutsch Witt, hochdeutsch Weiß, niederdeutsch Piper, hochdeutsch Pfeiffer.

Vielleicht stellt Ihr Familienname auch eine Verschreibung zu dem hessischen Ortsnamen Gelnhausen und damit eine Nebenform zu dem Familiennamen Gelnhaus(er) in der Bedeutung ‚der aus Gelnhausen stammt’ dar, was jedoch unbedingt in älteren Schreibungen nachgewiesen werden muss.

Ferner könnte auch das oberdeutsche (bairisch-östereichische) Wort gelse, neben gelze, golze und am Oberrhein gölse in der Bedeutung ‚Mücke, Schnake’ in den Namen Gelz eingeflossen sein.

Zusammenfassend lässt sich Ihr Familienname nur schwer ohne ältere Schreibweisen in seiner Etymologie erklären. So handelt es sich hierbei um einen Namen nach dem Wohn(be)sitz des Vorfahren, der als ‚Haus, Hof eines Gelz’ erklärt werden kann. Der Name Gelz kann dabei der Personenname des Vorfahren, Hofbesitzers und dergleichen gewesen sein, aber auch auf seinen Beruf als ‚Tierverschneider’ deuten (‚Hof, wo Schweine verschnitten werden’), oder auf das reiche Vorkommen großer Mücken, Schnaken deuten (‚Hof, wo es viele Mücken gibt’). Schließlich müssen ältere Schreibweisen des Familiennamens Gelzhäuser belegen, ob es sich hier um eine Nebenform zum Namen Gelthaus(er) handelt (‚Hof, wo Gelder bezahlt werden’) oder, um eine Verschreibung zu Gelnhaus(er) (‚der aus Gelnhausen stammt’).

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Angaben weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Namenberatung
Sandra Berndt M.A.

 

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